Gesamtwirtschaftliche Liquidität
als Orientierungsgröße der Geldpolitik
von
Eberhard Scholing und Vincenz Timmermann

Zusammenfassung

   In diesem Beitrag wird der Versuch unternommen, die "gesamtwirtschaftliche Liquidität" so zu fassen und zu operationalisieren, daß sie als Orientierungsgröße für die Geldpolitik dienen kann. Ausgangspunkt ist die Überlegung, daß "Liquidität" ein nicht direkt beobachtbares Phänomen darstellt, das sich nur indirekt messen läßt. Der Zusammenhang zwischen latenten und beobachtbaren Liquiditätsgrößen wird hier mit Hilfe eines MIMIC (Multiple Indicator Multiple Cause)-Modells abgebildet. Die Parameter dieses Modells werden mit Quartalsdaten für Deutschland über den Zeitraum von 1974:1 bis 1995:4 geschätzt.
   Die empirischen Ergebnisse sprechen für die Hypothese einer latenten Variable "Gesamtwirtschaftliche Liquidität" und dafür, daß diese Variable bezüglich Inflationsrate und realer Wachstumsrate bessere Prognoseeigenschaften besitzt als die Geldmenge M3. Das legt den Schluß nahe, daß einem multivariaten Liquiditätskonzept als Orientierungsgröße für die offizielle Geldpolitik der Vorzug zu geben ist.

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